„Wir waren mal Freunde“- Theaterstück aus Berlin für die Klassen 6 bis 8

Wir waren mal Freunde

Eine große Graffiti-Wand mit zwei Monstern, einige Schultische und –stühle, wenige Requisiten und etwas Technik – mehr brauchten die beiden Schauspieler der Berliner Theatergruppe „Ensemble Radiks“ nicht, um die 85 Happurger Mittelschüler der Klassen 6 bis 8 in ihren Bann zu ziehen und in einem „Blick zurück nach vorne“ eine Handlung mit vielen Verwicklungen aufzurollen.

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Ein sich im Bau befindendes Asylheim wurde in Brand gesteckt und ein Obdachloser konnte in letzter Minute von dem 16-jährigen Joscha gerettet werden – aber was machte Joscha nachts um zehn bei dem Gebäude? Wusste er etwas von dem geplanten Anschlag oder war er gar selbst mit daran beteiligt? Joscha wurde von der Polizei verhört und überwacht, in der Schule wurde er ausgegrenzt, und seine Mutter bekam auch nicht den ersehnten Job. Joscha konnte sich nicht verteidigen, denn er befürchtete, dass seine Schwester Marion gemeinsam mit anderen aus der rechten Szene den Brand gelegt haben könnte. Zur gleichen Zeit fand an seiner Schule auch noch eine Projektwoche zum Thema Zukunft statt. Doch die Gegenwart machte Joscha zu viele Probleme, als dass er sich über Zukunftswünsche Gedanken machen konnte. Eigentlich wünschte er sich nur, dass alles besser laufen sollte: bessere Noten, die Mutter endlich wieder mit einer anständigen Arbeit, und dass er sich nicht ständig anhören musste, er sei ein vaterloses Weichei ohne Ehre. Doch stattdessen ließ seine Projektpartnerin Melek, eine gläubige Muslima, alte Wunden aufplatzen. Als sie noch Kinder waren, waren Melek und Joscha, Joschas Schwester Marion und Meleks Cousin Murat Freunde gewesen. Doch jetzt begegneten sie sich mit Vorurteilen und Abneigung. Warum ist die Freundschaft auseinandergegangen? Was hatte das mit dem Brand zu tun? Gemeinsam mit Joscha konnten die Zuschauer zurück auf die Ereignisse in und nach der Nacht des Brandes blicken.

In der Art einer dokumentarischen Krimigeschichte schilderte das Stück „Wir waren mal Freunde“ von Karl Koch, wie vier Jugendliche, die noch in der Grundschule ein enges freundschaftliches Verhältnis miteinander verband, sich allmählich voneinander entfernt und sowohl gegeneinander als auch gegen andere scheinbar unüberwindbare Vorurteile aufgebaut haben. In einer Spurensuche nach den Gründen wurden in jugendgerechter Sprache schwierige Themen aufgegriffen: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile, Ehre und Respekt, Zukunftswünsche, Angst und Vertrauen. Dabei bekamen die Schülerinnen und Schüler viel Stoff zum Nachdenken. Im Anschluss an die Darbietung, die mit einem „Zukunftsrap“ den gemeinsamen „Blick nach vorn“ in den Mittelpunkt rückte, konnten die Mittelschüler den beiden Schauspielern Fragen zum Stück, zu den angesprochenen Themen und natürlich zum Beruf des Schauspielers stellen. Das Theaterstück rundete die Aktionen zum Thema „Rassismus“ ab, die in der Grund- und Mittelschule Happurg in diesem Jahr stattgefunden hatten. Nicht zuletzt durch die Projektwoche im Mai, an der alle Klassen sich mit eigenen Darbietungen beteiligt hatten, hat sich die Happurger Schule den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Vereins „Aktion Courage e.V.“ verdient.                                                                                                      (Katrin Martin)

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